FFC Brauweiler/Pulheim - VfL Sindelfingen 1:1 (0:0)

Dass es am Pfingstmontag, den 5. Juni 2006, tatsächlich nocheinmal in Pulheim zu einem sportlich bedeutenden Duell zwischen dem FFC Brauweiler und dem VfL Sindelfingen kommen würde, hätte ich mir noch zwei Wochen vor dem Spiel nur schwer vorstellen können. Letztlich sorgte eine katastrophale Rückrunde der Gastgeber und eine kleine Serie zu Saisonende der Süddeutschen dafür, dass plötzlich der VfL Sindelfingen mit einem Sieg den Klassenerhalt feiern konnte - und dafür die grün-weißen Rheinländerinnen in die Zweitklassigkeit schicken. Nach den Ergebnissen der letzten Spieltage musste man sogar den Gästen die Favoritenrolle zugestehen - man konnte als Freund der Brauweilerinnen nur hoffen, dass die Mannschaft Sonja Fuss in ihrem letzten Saisonspiel nicht mit einem Abstieg verabschieden wollte.
Beiden Mannschaften war von Beginn an die Nervosität anzusehen. Es gab viele Fehlpässe, die meisten Angriffe endeten in den Abwehrreihen. Zunächst schien Brauweiler das Heil in der Offensive zu suchen, dann übernahm Sindelfingen etwas mehr das Blatt und setzte sich oft in der Hälfte der Gastgeber fest. Brauweiler blieb aber durch Konter gefährlich. Erst in den letzten Minuten zeigten die Gastgeberinnen dann erneut gute Angriffe, aber wie beim Schuss von Susanne Kasperczyk, der kurz vor der Pause am Tor vorbeistrich, fehlten die entscheidenden Zentimeter. So blieb die Spannung in der Pause absolut erhalten, ohne dass die Zuschauer eine wirklich hochklassige Partie erleben konnten.
Im zweiten Abschnitt schien es dann für Brauweiler nach Maß zu beginnen. In der 48. Minute spielte Sonja Fuss über rechts Susanne Kasperczyk frei, diese brauchte den Ball nur noch in das leere Tor einzuschieben. Sindelfingen brauchte nun schon zwei Tore, um den Klassenerhalt zu erringen - und danach sah es zunächst gar nicht aus. Sicherlich, die Süddeutschen waren bemüht, versuchten auch, Druck in Richtung Britta Trescher zu machen, aber die Torchancen im Spiel schrieben die Gastgeberinnen. Die meisten Konter der grün-weißen endeten allerdings im eigenen Unvermögen oder in einem der unzähligen Abseits-Situationen. So kam es, wie es kommen musste: die schnelle Sandra Ruf setzte sich in der 70. Minute über halblinks durch und ließ Trescher im Brauweiler Tor keine Chance - 1:1. Ruf war allerdings der traurige Held aus Sindelfinger Sicht: gerade fünf Minuten später beschwerte sich die Sindelfingerin so lautstark, dass sie nach einer gelben Karte anschließend nur noch mit einem Platzverweis gebremst werden konnte. Viele Torchancen hatten die bemühten Sindelfingerinnen in Folge nicht mehr, erwähnenswert ist wohl ein Freistoss in der 82. Minute. Brauweiler vergab noch ein paar kleinere und durch Fuss eine größere Konterchance, in der dritten Minute der Nachspielzeit lief die eingewechselte Frauke Renner über halblinks in den Strafraum. Dass sie freistehend aus spitzem Winkel am Tor vorbeischoss, war allen Beteiligten egal, die gute Schiedsrichterin Moiken Jung hatte die Pfeife bereits im Mund und pfiff ein dramatisches letztes Saisonspiel in Pulheim vor einer sehr sehenswerten Kullisse von 650 Zuschauern ab.
Letztlich fehlte Sindelfingen nur ein Tor, um eine fulminante Aufholjagd zu krönen. Letztlich genügten die zu bescheidenen offensiven Möglichkeiten der Gäste nicht, um oft genug gefährlich zu werden. Die Gastgeberinnen feierten den Klassenerhalt - in der neuen Saison wird es aber sicherlich deutlich schwerer, ohne eine Mannschaft wie den FSV Frankfurt, die letztlich dem Abstieg geweiht war, und ohne Spielerinnen wie Sonja Fuss oder Eva Augustin sich weiterhin im Oberhaus festzusetzen.