Braunschweiger JC - TSV Hertha Walheim 6:8

Einen kleinen Autounfall, eine defekte Klimaanlage (bei 34 Grad im Schatten *würg*) und knappe zwei Stunden plus eine Viertelstunde verzweifeltes Spielstätte-Suchen später erreichte ich nach dem U11-Spieltag der NUB-Kinder Braunschweig. Nun stand wieder eine Premiere auf dem Programm: Judo, genaugenommen die Judo-Bundesliga, Klasse Nord. Die Partie fand an einem etwas unüblichen Ort, nämlich in einem Forum des Unternehmenssitzes der Volkswagenbank an der Gifhorner Straße statt.
Ehrlich gesagt, meine Kenntnisse über Judo sind doch sehr beschränkt. Unter anderem wußte ich aus Olympia-Tagen gerade noch, dass wenn man den Gegner schwungvoll genug auf die Schulter krachen läßt, mit einem Ippon, gleichbedeutend mit dem sofortigen Sieg daf&uum;r belohnt wird. Sollte keiner der beiden Judokas dies in der Kampfzeit schaffen, entscheiden kleinere Wertungen (inzwischen weiß ich, dass diese die klangvollen Namen Waza-ari, Yuko und Koka haben) über Sieg und Niederlage. In der Bundesliga wird dabei an einem Kampftag eine Doppelrunde durch die jeweils sieben Gewichtsklassen gekämpft.
Nach den ersten vier Kämpfen sah es für die Braunschweiger sehr zuversichtlich aus. Lediglich den zweiten Kampf in der Klasse bis 66kg konnten die Gäste aus Aachen für sich entscheiden. Der fünfte Kampf stellte dann wohl den Wendepunkt dar. In der Gewichtsklasse bis 73kg stand es nach dem regulären Kampfende unentschieden, so dass die "Golden Score"-Regel zum Einsatz kam: der Kampf wird erneut angesetzt, die erste Wertung, sei es auch nur ein Koka, entscheidet die Partie. Der aktivere Walheimer Judoka konnte diese Wertung erzielen. Nun kämpften sich die Rheinländer regelrecht in einen Rausch - den nächsten Sieg der Gastgeber gab es erst im zehnten Vergleich, also bereits in der "Rückrunde" nach der Kampfpause. Durch einen Ippon für Braunschweig im elften Duell kam nun aber wieder Spannung auf - Walheim führte nun lediglich mit 6:5. Doch im zwölften, engen Vergleich erzielte Walheim früh einen Yuko und gewann im Laufe des Kampfes durch Ippon - 5:7. Ein weiterer direkter Sieg für Walheim folgte im nächsten Gefecht, so dass der Auswärtssieg bereits feststand. Das sichere 6:8 im letzten Kampf bedeutete deswegen nur noch Ergebniskosmetik.
Welches Team wirklich besser war, wage ich nicht zu beurteilen - auch wenn Walheim auf mich einen unter dem Schnitt leicht besseren Eindruck hinterließ. Spannend war der Ausflug zum Judo auf jeden Fall, ich kann es absolut empfehlen. Allerdings ist es beim Judo wohl so schwer wie in kaum einer anderen Sportart, als Laie den Wertungen zu folgen. Ständig beschwerten sich die Betreuer beider Mannschaften über Entscheidungen der Schiedsrichter - offenbar scheint selbst für das fachkundige Publikum die Sachlage nicht immer eindeutig zu sein. Und weils so schön war, gibts über 100 Fotos aus Braunschweig.