TTC Vernich - Post SV Hagen 6:9

Bisher kannten die meisten Sport-live.net - Besucher den Ortsteil Vernich von Weilerswist bei Euskirchen nur von einem Kreisliga-Frauenfussball-Verein - doch in dem kleinen Ort wird durchaus auch Spitzensport geboten: mit dem TTC haben die Rheinländer einen Zweitligisten im Tischtennis zu bieten - ein absoluter Grund, am 21.2.2007 der Stadt Weilerswist einen Besuch abzustatten - zumal es im direkten Duell gegen die Hagener an diesem Abend zwei wichtige Punkte im Abstiegskampf zu holen gab.
Zu Beginn der drei Paarkreuze standen die die ersten drei Doppel auf dem Programm - und die Geschichte aller drei Partien kann man fast am besten aus Vernicher Sicht in einem Satz zusammenfassen: drei Doppel, drei Matches über die volle Distanz - und dreimal verloren. In allen drei Fällen führten die Hagener nach drei Sätzen mit 2:1 Sätzen, während die Gastgeber den Schlusssatz erzwangen und dort - man kann es in dieser Häufung aus meiner Sicht nicht mehr nur in die Kategorie "Pech" einsortieren - jeweils versagten. Dramatischer Höhepunkt war hier sicherlich das dritte Doppel zwischen Jian Wei Sun und René Ten Hoeve auf Vernicher Seite und den Hagenern Filip Szymansky und Denis Anderson: ganze zehn Satzbälle brauchten die Gastgeber, um letztlich mit 22:20 einen denkwürdigen Sieg im vierten Satz zu erzwingen - im Fussball würde man wohl von mangelnder Chancenverwertung reden müssen. So ging es letztlich mit der Last des 0:3-Rückstandes in die Einzelpartien.
Doch während die Vernicher Leistung in den Doppeln eine gewisse enttäuschende Komponente hatte, gaben die Rheinländer nicht auf. Die erste deutliche Partie des Tages ging an Tedor Jordanov, der im ersten Paarkreuz mit einem Dreisatz-Sieg gegen Szymanski (besonders erwähenswert hier: der zweite Satz mit 16:14) den ersten Punkt für die Vernicher holte, doch sein Doppelpartner Nikolay Jordanov lag musste nach einer 2:1-Satzführung zwei Satzniederlagen gegen den japanischen Nationalspieler Taku Takakiwa einfahren. Gilles Michely erhöhte gegen Sun nach einem erneuten Fünfsatzerfolg der Hagener auf 5:1, doch praktisch parallel konnte mit Lukasz Godleski auch ein Vernicher ein Match nach der vollen Distanz gewinnen und holte gegen Eric Berner den zweiten Sieg der Vernicher. Auch im unteren Paarkreuz gab es die "Punkteteilung": während Pavel Stopinski gegen Anderson in drei Sätzen gewann, schlug der Hagener Andreas Fejer-Konnert nach einer Niederlage im ersten Satz völlig ungefährdet Ten Hoeve, so dass es zum 6:3-Zwischenstand vor den zweiten Einzeln im oberen Paarkreuz kam.
Die praktische Entscheidung mit einer "doppelten Niederlage" steuerte dann Vernichs Nummer 1 Jordanov bei. Nach der Viersatzniederlage gegen Takakiwa, bei der er mehrfach mit Schiedsrichterentscheidungen haderte, trat er zunächst die Spielumrandung weg und haute dann noch, bereits mit der gelben Karte bestraft, auf den Tisch des Oberschiedsrichters, woraufhin er mit der roten Karte bestraft wurde. In dieser Situation war die Entscheidung der sonst mir teilweise zu nervös agierenden Schiedsrichtern wohl absolut unvermeidlich und korrekt, trotzdem war damit die Begegnung praktisch entschieden: da Jordanov für den Spieltag disqualifiziert wurde und es dem Gastgeber nicht mehr erlaubt war, die Doppel-Aufstellung zu verändern, käme es selbst im Falle eines finalen Abschlussdoppels zu einem Forfait-Punkt der Gäste - so stand es nicht nur 7:3 für Hagen, vielmehr hatten die Gäste auch bereits den achten Spielerfolg und damit das Unentschieden sicher in der Tasche. Für mich erschien das Ganze unverhältnismäßig hart, zumal es zuvor bereits zu einer roten Karte für Hagen kam - doch diese hatte für den Spieler, der als Betreuer auftrat nur minimale Konsequenzen: er musste lediglich den Betreuerplatz verlassen, während er, der gerade spielende Hagener Spieler noch die Hagener Mannschaft hatten irgendeinen wirklichen Nachteil hierdurch. Gerade in Folge kam es nun zu einer wahren Flut von gelben Karten, die für einen Außenstehenden doch etwas befremdlich wirkte.
Tischtennis gespielt wurde dann aber doch noch - schließlich hatten die Weilerswister immer noch die Chance, ein Remis zu erzwingen. Solakov drehte noch einen Zweisatzrückstand und schlug Szymanski und holte Vernichs vierten Sieg und durch zwei Siege im mittleren Paarkreuz und dem zwischenzeitlichen 5:7 keimten wieder die Hoffnungen der Gastgeber aus. Doch im unteren Paarkreuz war Fejer-Konnert zu stark und ließ auch Stopinski in drei Sätzen keine Chance. Durch das sichere Forfait im Doppel war die Partie nun entschieden, doch aus formalen Gründen musste Anderson noch gegen Ten Hoeve antreten, während das Doppel aufgerufen wurde und die vorgesehene Parallelplatte frei blieb. Denis Anderson schlug Ter Hoeve und holte so wenigstens auf sportliche Weise den verdienten neunten Punkt der Hagener.
Auch wenn die Gastgeber in der zweiten Phase des fünfstündigen Mammut-Spieltags eine kämpferisch überzeugende Partie zeigten, konnten sie sich von dem verkorksten Beginn nicht mehr erholen. Hagen agierte konsequenter, gewann eine Mehrzahl der knappen Partien und holte so verdient die beiden wichtigen Punkte im Abstiegskampf.